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Vertrauen – Antrag zur Flüchtlingsunterkunft

Die Flüchtlingsunterkunft Osterbrooksweg 32 besteht aus dreifach gestapelten Containern mit ca. 200 Räumen, zusätzlich je Etage zur gemeinschaftlichen Nutzung Küchen und Sanitärräume sowie Gemeinschaftsräume. Für Treffen mit Ehrenamtlichen oder Vertretern der Stadt steht ein sog. Ehrenamts-Container zur Verfügung, der auch von den Bewohnern als Treffpunkt genutzt werden kann.

Die Anlage ist von einem Zaun umgeben, dessen Tor nur von Mitarbeitern der Stadt, vom Sicherheitspersonal und von den Bewohnern selbst geöffnet werden darf. Die Bewohner dürfen keine Besucher in ihren Räumen empfangen, weder Ehrenamtliche noch Freunde oder dort nicht wohnende Verwandte.Es ist zu beobachten, dass besonders diese Situation viele Bewohner belastet. Sie schämen sich, dass sie das ihnen wichtige Bedürfnis nach Gastfreundschaft nicht wahrnehmen können.

Die Ehrenamtlichen empfinden diese Situation ebenfalls als bedrückend, wenn sie die Security schicken müssen, um einen bestimmten Bewohner heraus zu bitten für eine Terminabstimmung zu einem Behördenbesuch, eine Absprache für Hausaufgaben-Unterstützung, um Behörden-Anträge zu erklären und gemeinsam auszufüllen, vielleicht ein Medikament vorbeizubringen, bei einer Erkrankung etwas Mut zu machen, Beistand zu leisten bei Bewerbungs-Absagen und vieles mehr.

Die Asylbewerber, die Vertrauen zu einzelnen Ehrenamtlichen gefunden haben, erfahren hier, dass diese Vertrauenspersonen kein Vertrauen von Seiten der Stadtverwaltung erfahren. Besonders suizidgefährdeten Bewohner (es gab bereits Suizidversuche) verlieren erneut Vertrauen und ziehen sich zurück.

Es geht in der Tat auch anders:

In den Hamburger und Halstenbeker Wohnanlagen gibt es weder Zäune noch Security. Dafür sind täglich mehrere Sozialarbeiter und Hausmeister vor Ort. Auch um alle anderen Flüchtlingswohnungen in Schenefeld gibt es keine Absperrungen.

Flüchtlingsunterkunft Bloomkamp

Flüchtlingsunterkunft Blomkamp, Hamburg

Das Foto zeigt die Wohnanlage am Blomkamp in Hamburg-Osdorf (ehem. Kasernengelände) von fördern&wohnen mit freundlich gestrichenen Containern, Grünanlagen, Baumanpflanzungen und Kinderspielgeräten. Die Schranke im Vordergrund hindert zwar Pkw daran, dort einzufahren, ansonsten ist die Anlage von jedem betretbar. Sie wird von Familien mit Kindern und Alleinstehenden bewohnt, die jederzeit Besuch empfangen können. Das vorhandene Info-Büro bietet diverse Kurse an und steht für Auskünfte und Hilfen zur Verfügung. Eine Security ist auch dort nicht vorhanden.

Beschlussvorschlag:

  • Der vorhandene Zaun um die Container-Wohnanlage Osterbrooksweg 32 wird geöffnet oder besser noch entfernt, um die Anlage für Besucher zugänglich zu machen.
  • Den Bewohnern wird der Besuch durch Freunde und Verwandte gestattet.
  • Der Besuch der Ehrenamtlichen auf dem Vorplatz wie in der Wohnanlage wird erlaubt
  • Der Einsatz von Sicherheitspersonal wird beendet.
  • Statt dessen werden nach dem „Herbergsvatermodell“ Sozialpädagogen und ggf. Hausmeister eingestellt, die zumindest während der Wochentage anwesend sind und sich der Alltagsprobleme der Bewohner annehmen.
  • Die Reinigung der Gemeinschaftsanlagen (Küchen, Sanitärräume, Gemeinschaftsräume, Flure) sollte den Bewohnern weitgehend in Eigenregie übertragen werden, die zusammen mit den Sozialpädagogen (u.U. mit Unterstützung der Ehrenamtlichen) Reinigungspläne aufstellen.

Mit freundlichen Grüßen

Mathias Schmitz